Blutmond - Mondblut-Trommel

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Seit Monaten möchte ich meine Trommel bemalen und nun endlich ist es vollbracht. Es ist nicht so, dass sie ganz neu ist, ganz im Gegenteil. Sie ist die erste Trommel, die wir bzw. Tom gebaut haben für unsere Wildnisschule. Dammwildrohhaut auf Bucherahmen. Ganz ohne Kurs, nur mit der Hilfe verschiedenen Tutorials ist sie entstanden bzw. geboren wurden. Sie hat einen wunderbaren tiefen satten Klang und kann ordentlich durch die Wälder hallen. Alles schon erprobt. Und da ich sie bei meiner schamanischen Ausbildung dabei hatte und auch sonst in den Kursen und Camps am häufigsten damit trommele ist sie irgendwie zu meiner Trommel geworden. Und mit der Zeit empfand ich sie als sehr nackt und habe lange überlegt welches Motiv sie schmücken, stärken und ihr entsprechen möge. Und da mir meine Träume immer viel verraten, bin ich mit diesem Gefühl und dem Wunsch für die Trommel ein Gewand zu finden eingeschlafen.

Und nach dem Aufwachen war es ganz klar, dass es nur ein Baum sein kann. Denn die Bäume im Allgemeinen und meine Kraftbuche ganz besonders, sind für mich Kraftquellen und tief mit mir verbunden. Nach ich eine große Zeichnung von meinem Baum gemacht habe (er sollte etwas wie der Weltenbaum Yggdrasil aussehen aber auch nicht zu sehr) brauchte es noch lange, bis ich mich getraut habe diese wunderschöne Haut zu bemalen und das Motiv vorzuzeichnen. Zu groß war die Angst, dass es nicht gut werden würde. Und dann war da noch die große Frage der Farbe im Raum. Was nimmt man zum Malen? Pigmente, Henna, sogar Acrylfarbe hab ich gelesen. Klar war, dass es etwas natürliches sein sollte. Und meine wunderbare Lehrerin Sian, ermutigte mich immer wieder es doch mit meinem eigenen Blut, meinem Mondblut zu bemalen. Technisch fragte ich mich, ob es pur ausreichen würde oder gemischt werden musste mit etwas. Aber die größere (innere) Herausforderung war es tatsächlich zu tun.

Da ich zum letzten Vollmond am 31.10. meine Menstruation bekam, krank zu Hause war und mich endlich wieder dem natürlichen Zyklus widmen wollte, begann ich einfach frei raus. Da ich eine Menstruationstasse benutze, war die Gewinnung ganz einfach. Und als ich meinem Mann Tom davon erzählte, dass ich das nun tatsächlich mit meinem eigenen Blut bemalen wolle, erwartete ich von ihm Ekel, Widerwillen oder gar Abneigung. Aber er war so cool und gelassen wie schon so oft, bei solchen „grenzwertigen“ Themen.

Ich habe bei meiner Recherche zum Malen mit Mondblut fast nicht gefunden, wie es aufbereitet wird oder dergleichen. Lediglich habe ich eine Künstlerin gefunden, die damit Bilder malt. Nicht aus feministischer oder verbindender Idee, sondern ursprünglich rein polarisierenden und schockierenden Absichten. Aber auch ihr ist die Kraft die dahinter steht nicht entgangen.

Als ich dann, ganz alleine zu Hause begann, mein frisches Blut aus meinem Körper auf diese Trommel zu pinseln, durchflossen mich so viele Gedanken und Gefühle.
Gab es in meiner Jugend einen einzigen Moment zudem die Menstruation positiv dargestellt wurde? Mir fiel keiner ein. Alles was damit zu tun hat ist negativ, schambesetzt, peinlich, unangenehm, schmerzhaft, unwillkommen, unpassend und überhaupt nicht notwendig. So war jedenfalls meine Einstellung als Jugendliche dazu. Ich hatte zu Beginn jedes Mal heftige Schmerzen, so dass ich jeden Monat einen Tag in der Schule fehlte. „Es gehört halt dazu“, wurde mir und den anderen Mädchen dann gesagt. Meine Mutter war sehr liebevoll und einfühlsam mit dem mir unbekanntem Thema, aber leider war auch sie völlig unwissend. Wir reproduzieren ja meist nur das was wir vorgelebt bekommen. Der Moment, dass du einen anderen Weg einschlägst bedarf nun mal größerer Anstrengung. Deshalb bin ich meinen Kindern und auch Sian für die Schamanische Ausbildung und ihr Wissen über Frauen unglaublich dankbar. Sie haben alle drei in mir etwas geöffnet, dass nun hinauskommt in die Welt und meine Kraft und meine Talente für anderen Frauen sichtbar und fühlbar werden lässt.

Wahrscheinlich habe ich das Malen mit meinem Blut als so intensiv wahrgenommen, weil ich unmittelbar davor ein Ritual zu Samhain und meinen Ahninnen durchgeführt habe, dass auch ebenfalls intensiv war. Mich durchflossen die Gedanken, die Gefühle der Frauen, die vor mir da waren und denen ich verdanke, dass ich heute hier sein darf. Ich habe so viel Leid und Scham empfunden. So viel sich Verstecken, Anpassung, Unterdrückung, nicht Ausleben können und dürfen der eigenen Kraft und Möglichkeiten, der Talente, der inneren Schönheit. Ich habe für sie gesungen und Ihnen gesagt, dass ich dieses feierliche Malen mit meinem Blut, das auch ihres ist, auch für sie tue. Dass ich ein Stück weit heilen möchte und zeigen möchte, dass es nun geht, dass die Zeit da ist und wir die Möglichkeiten haben, etwas anders zu machen. Dass wir Frauen in unsere Kraft kommen mit allem was uns Kraft schenkt und uns ausmacht.

Diese Trommel ist für euch meine Lieben Ahninnen.

Wir sind mit allem verbunden.

In Liebe und Freiheit und Schönheit

Eure Lydia

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